
Mal ehrlich: Als ich vorhin in den Kalender geschaut habe, war mein erster Gedanke nicht „Wie schön, die Einheit!“, sondern „Mist, Samstag.“ Der 3. Oktober hat sich dieses Jahr ausgerechnet das Wochenende ausgesucht, und der freie Tag, über den man sich sonst mitten in der Woche so schön freut, fällt einfach unter den Tisch. Ich glaube, damit bin ich nicht allein.
## 36 Jahre – und immer noch nicht „fertig“
Sechsunddreißig Jahre ist die Wiedervereinigung jetzt her. Das ist eine Zahl, bei der ich kurz schlucken muss, weil sie so selbstverständlich klingt. Ein ganzes Berufsleben, eine ganze Generation, die gar nichts anderes kennt als ein Deutschland ohne Mauer und Grenzkontrollen quer durchs Land.
Und trotzdem hört man immer noch die Sätze von „drüben“ und „hüben“, manchmal sogar von Leuten, die erst lange nach 1990 geboren wurden. Ich finde das gar nicht schlimm, solange man darüber redet. Schlimm wird es, wenn man so tut, als wäre alles längst erledigt, nur weil es auf dem Papier so ist. Eine Einheit, die man einmal beschließt und dann nie wieder anfasst, hält vermutlich nicht besonders gut.
Was mich bei dem Thema immer wieder beschäftigt: Wie schnell ein Zustand normal wird, der kurz vorher noch unvorstellbar war. Wer heute für ein Wochenende nach Dresden, Leipzig oder an die Ostsee fährt, denkt dabei an Staus und Hotelpreise, nicht an Geschichte. Das ist vielleicht das schönste Kompliment, das man dieser Zeit machen kann.
## Und was mache ich heute?
Ehrlich gesagt nichts Großes. Kaffee, ein paar Nachrichten, vielleicht ein Spaziergang. Ich habe mir aber vorgenommen, den Tag nicht komplett im Alltagsmodus verstreichen zu lassen. Ein paar Minuten innehalten kostet ja nichts, und die Bilder vom Brandenburger Tor, das ich dafür herausgesucht habe, haben mich daran erinnert, wie viel an diesem Ort schon passiert ist. Früher Grenze, heute Postkartenmotiv für Touristen mit Selfiestick. Wenn man es so sagt, klingt es fast absurd.
Wie haltet ihr es mit dem 3. Oktober? Ein ganz normaler freier Tag, ein Anlass zum Nachdenken, oder ärgert ihr euch auch, dass er dieses Jahr aufs Wochenende fällt? Schreibt es mir gern in die Kommentare, ich bin gespannt.