
Wer in den letzten Wochen tanken war, hat es vermutlich selbst gemerkt: Die Preise sind ordentlich nach oben geklettert, und zwar nicht schleichend, sondern ziemlich abrupt. Ich hab mich neulich an der Tankstelle ertappt, wie ich kurz überlegt hab, ob der Zapfhahn kaputt ist oder ich mich einfach verguckt habe.
Also, was ist da eigentlich los? Steckt dahinter wirklich ein Mangel an Sprit – oder wird da am Markt bloß kräftig mitgenommen, was geht?
Kein Mangel, sondern ein Preisschock von außen
Die kurze Antwort: Von einem echten Spritmangel kann keine Rede sein. Was wir gerade erleben, ist in erster Linie ein Ölpreisschock. Durch den Iran-Nahost-Konflikt und die Sperrung der Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus ist der Ölpreis auf dem Weltmarkt um rund 30 Prozent gestiegen. An anderer Stelle wird sogar von einem Anstieg von mehr als 40 Prozent durch die Blockade der Straße von Hormus und Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Golfregion gesprochen. Diesel hat es dabei besonders hart getroffen: Der Preis kletterte seit Kriegsbeginn um 56 Cent pro Liter und lag Ende März nur noch knapp unter dem Allzeithoch von 2022.
Rohöl ist eben der Ausgangsstoff für so ziemlich alles, was aus dem Zapfhahn kommt – wenn der teurer wird, zieht der Rest automatisch mit.
Und die Spekulation?
Hier wird’s interessanter. Ganz von der Hand zu weisen ist der Verdacht nicht: Ein Teil des Preisanstiegs geht auf Risikoaufschläge an den Märkten zurück – wenn Händler Versorgungsengpässe oder geopolitische Spannungen befürchten, verteuert sich Rohöl bereits im Voraus, bevor überhaupt etwas Konkretes passiert ist. Das ist streng genommen schon eine Form von Spekulation, nur eben eine mit einem sehr realen Auslöser im Hintergrund.
Dazu kommt, dass die Preisbildung an der Zapfsäule selbst nicht ganz durchsichtig ist. Seit April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr anheben – trotzdem gab es allein in Niedersachsen rund 1900 Verwarnungen gegen etwa 250 Tankstellen wegen Verstößen gegen diese Regel, künftig drohen sogar Bußgelder bis 100.000 Euro. Wenn sich Betreiber nicht mal an die eigenen Preisregeln halten, ist es kein Wunder, dass viele misstrauisch werden. ADAC
Die Politik hat immerhin reagiert: Die Energiesteuer auf Diesel und Benzin wurde für Mai und Juni um rund 14 Cent je Liter gesenkt, was brutto etwa 17 Cent Entlastung brachte. Nur – laut ADAC liegen die Spritpreise trotz eines rückläufigen Ölpreises weiterhin auffällig hoch, besonders bei Diesel. Da bleibt schon ein komisches Gefühl. Bundesregierung
Mein Fazit an der Zapfsäule
Ich glaube nicht an eine gezielte, böswillige Verknappung – dafür ist die Ursache zu klar auf dem Ölmarkt zu verorten. Aber ich glaube auch nicht, dass an den Zapfsäulen alles hundertprozentig fair zugeht, wenn selbst eine simple 12-Uhr-Regel reihenweise umgangen wird. Es ist wohl beides ein bisschen: echter Preisdruck von außen, garniert mit ein wenig Extra-Marge, weil man’s als Betreiber halt kann, solange keiner genau hinschaut.
Wie seht ihr das – merkt ihr die Preise auch so deutlich, oder seid ihr eh schon aufs Fahrrad umgestiegen?


